Dieser praktische Leitfaden dient Lehrern und Projektleitern, selbst eine Schrottküche zu eröffnen. Die notwendigen Bauanleitungen, und Hintergrundinformationen sind auf diesen Seiten zu finden. In einer Vorbereitungsphase sollte an der Schule oder im Umfeld eine Handy-Sammelaktion durchgeführt werden. Vielleicht kann auch die städtische Müllentsorgung alte Schrotttelefone für das Projekt zur Verfügung stellen.

Zutaten
Ausstattung
Vorbereitung

1 Einleitung ca. 15 Minuten
2 Das Telefonquiz ca. 30 Minuten
3 Mein Ex ca. 60 Minuten Gruppenarbeit
4 Schrottsuche ca. 60 Minuten
5 Monsterbau ca. 60 Minuten
6 Präsentation im öffentlichen Raum dauert länger (optional)

Zutaten
Für die Durchführung der Schrottküche werden benötigt:
Materialien:
- pro Teilnehmer ein defektes, aussortiertes Mobiltelefon
- mehrere kleine Stern- und Kreuzschraubenzieher (z.B. Torx T4,T5 … )
- spitze Zangen
- feiner Trenndraht
- Batteriehalter
- Knopfbatterien
- ein kleiner Lötkolben und Lötzinn
- eine Heißklebepistole mit Patronen
- Bastelutensilien, wie Kleber, Schere, …
- eine Materialkiste mit Bastelmaterialien, Stoffresten, Papieren, Pappen, etc.
- Wackelaugen machen zusätzlichen Spaß, aber Augen lassen sich auch selber basteln.

Ausstattung
- Beamer zum zeigen eines kurzen Vortrags
- eventuell Computer mit Internetzugang für eine vertiefte Recherche

Vorbereitung
- eine Sammelaktion alter, defekter Telefone durchführen
- alle Arbeitsblätter herunterladen
- die Arbeitsblätter ausdrucken

Einleitung ca. 15 Minuten

Fragezettelchen herunterladen
Zunächst werden die Teilnehmer über den groben Tagesverlauf aufgeklärt.
Um sich in das Thema einzufinden, startet der Workshop mit einer Vorstellungsrunde.
Jeder Teilnehmer zieht ein Fragezettelchen. Reihum stellen sich nun die Teilnehmer der Gruppe vor, indem sie die Frage beantworten. Auch der Projektleiter sollte teilnehmen. Anschließend kann er versuchen mit der Gruppe ein Gespräch zu beginnen, indem er sie über die Rolle des Handys in ihrem Alltag ausfragt.


Das Telefonquiz ca. 30 Minuten

Quizblätter herunterladen
Quiz Antworten herunterladen
Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen aufgeteilt, die in einem Quiz gegeneinander antreten.
Der Projektleiter heftet die 4 Kategorien-Karten und die 16 Frage-Karten an eine Wand oder Tafel. Alternativ schreibt er die Kategorien und die Wertskala an die Tafel und liest die Fragen ab.
Eine Gruppe wählt eine Kategorie und einen Wert und bekommt die entsprechende Frage gestellt. Es sollte jeweils ein anderer Teilnehmer aus der Gruppe dran kommen, wobei sich die Gruppe kurz beraten darf. Ist die Antwort richtig, erhält die Gruppe den jeweiligen Wert als Punkte angerechnet und die andere Gruppe ist dran. Verbirgt sich hinter dem Wert eine Schätzfrage, sind beide Gruppen gefragt. In diesem Fall erhält die Punkte, wer näher am richtigen Wert liegt.


Mein Ex ca. 60 Minuten Gruppenarbeit

Arbeitsblatt Mein Ex herunterladen
Jeder Teilnehmer bekommt ein Arbeitsblatt mit einer Sprechblase. Dazu benötigt er Zettel und Stift für Stichpunkte. In kleinen Dreier- bis Vierergruppen sollen sich die Schüler gegenseitig von ihren alten Telefonen erzählen. Warum wurden sie ausgewechselt, was konnten sie nicht leisten, was hat genervt oder trauern sie ihnen vielleicht hinterher? Konnte das alte Telefon etwas, was das Neue nicht kann? Dabei sollen sie von den Telefonen reden, als sprächen sie über einen Ex-Freund oder eine Ex-Freundin. Beim sammeln der negativen Aspekte des „Ex“ können auch die Aspekte einbezogen werden, die im Quiz über das Leben vor der gemeinsamen Zeit ans Licht gekommen sind. Aber auch positive Aspekte dürfen Erwähnung finden. Wohin hat sie das alte Handy begleitet, was haben sie gemeinsam erlebt?

Nach der Hälfte der Zeit sollten alle genug über die Ex-Telefone der anderen gehört haben. Nun sollen die Kleingruppen gemeinsam ihren Ex-Telefonen kurze Sätze in den Mund legen. Was würden die Verflossenen von sich geben, wenn sie zu Wort kämen. Würden sie eher schimpfen oder jammern, eher kluge Ratschläge erteilen oder Flüche aussprechen? Die Kleingruppen sollen möglichst viele Sätze sammeln und auf ihrem Notizblatt festhalten, dabei sollen sich die Sätze sowohl auf die schlechten Eigenschaften, die positive Erinnerungen und auch auf den Lebenszyklus vor und nach der gemeinsamen Zeit beziehen.


Beispiele:
Ich hab‘ die Welt gesehen.
Sie hat mich fallen lassen.
Jetzt flüstert sie es einer anderen.
Wir waren unzertrennlich.
Ich war unverschämt teuer.
Ich hab ihn vertraglich geknebelt.
Ich hab ein Herz aus Gold.
Ich habe meine Satelliten überall.
Funkstille.
Ich hatte keinen Touch.



Die Kleingruppen stellen nun die gesammelten Sätze den anderen Gruppen vor.
Nun entscheidet sich jeder für einen Satz, der ihm am besten gefallen hat. Es muss nicht seine eigene erfindung sein. Vielleicht ist es auch eine Kombination aus etwas gerade gehörtem und etwas eigenem. Zu bedenken ist nur, dass dieser Satz später dem Monster, das nun gebaut wird in den Mund gelegt wird. Dieser finale Satz wird nun gut platziert mit einem schwarzen, nicht zu dünnen Stift in die Sprechblase geschrieben und diese wird ausgeschnitten. Teil 1 des Plakates ist fertig.


Schrottsuche ca. 60 Minuten

Arbeitsblatt Handyteile herunterladen
Vibrobot Vortrag herunterladen
Zu Beginn dieser Unterrichtseinheit wird einführend ein kleiner Vortrag gezeigt, in dem die nützlichen Komponenten des Telefons erläutert werden. Jeder Teilnehmer bekommt das Arbeitsblatt „Komponenten der Mobiltelefone“ und ein altes Telefon ausgehändigt. Dieses sollte erst einmal gründlich betrachtet werden, ob sich Teile öffnen lassen oder wo sich kleine Schrauben verbergen. Wichtig ist, vorsichtig und gezielt vor zu gehen, da sonst erhöhte Verletzungsgefahr besteht und die empfindlichen Anschlüsse der Vibrationsmotoren beschädigt werden können. Alle gelösten Einzelteile werden nun auf dem Arbeitsblatt in das entsprechende Feld gelegt. Auf dem Arbeitsblatt erfährt man, um welche Komponenten es sich handelt und welche Rohstoffe sich darin verbergen. Besondere Vorsicht ist beim Display geboten, da es häufig giftige Flüssigkeiten, wie Quecksilber enthält, nicht beschädigen!
Wer sein Telefon in seine Einzelteile zerlegt und den Vibrationsmotor gefunden hat, kann beginnen zwei Drähte an die Plus- und Minuspole des Motors, sowie an den Batteriehalter zu löten. Hierbei ist unbedingt die Unterstützung eines Lehrkörpers von Nöten. Funktioniert der Motor, kann der kreative Teil beginnen.


Monsterbau ca. 60 Minuten

Aus der Materialkiste und den Einzelteilen des auseinander gebauten Handys kann jeder Teilnehmer für sich überlegen, wie sein Monster aussehen soll, um die Botschaft in der Sprechblase zu übermitteln. Je nach Entwurf bedarf es anderer Umsetzungstechniken, um die gemischten Materialien zusammen zu bringen. An das Monster werden an passender Stelle Batteriehalter und Vibrationsmotor befestigt. Sitzt der Motor nicht zentral, kann es sein, dass sich das Monster nur im Kreis dreht. Es muss experimentiert werden. Wichtig ist, dass die Umwucht des Motors frei schwingen kann, sofern es nicht ein runder geschlossener Motor ist, bei dem dies keine Rolle spielt. Im letzten Drittel der Stunde werden die fertigen Monster reihum vor der Gruppe präsentiert.


Optional: Präsentation im öffentlichen Raum dauert länger

Je nach Möglichkeiten der Schule/ Einrichtung können die Schrottmonster auch der Öffentlichkeit präsentiert werden. Hier einige Varianten, wie die Botschaften weiter getragen werden können:


Variante 1: Das Plakat

Jedes Monster wird vor einem möglichst neutralen Hintergrund fotografiert. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass das Monster gut im Bild sitzt. Falls die Möglichkeit besteht, Photoshop zu nutzen können die digitalen Bilder der Monster grob ausgeschnitten und in die digitale Vorlage des Arbeitsblattes „Sprechblase“ eingearbeitet werden. Besteht diese Möglichkeit nicht, kann das Bild entwickelt bzw. ausgedruckt, mit der Schere ausgeschnitten und mit der Sprechblase zusammen auf ein weißes Blatt geklebt werden. In dem Fall zahlt sich aus, wenn die Fotos alle gleich aufgenommen wurden, damit alle Monster ungefähr gleich groß sind.


Variante 2: Das T-Shirt

Variante 2 ist etwas kostspieliger, hat aber möglicherweise eine größere Tragweite, da jeder Teilnehmer sein Monster auf einem eigenen T-Shirt durch die Welt tragen kann. Somit kann er seinem Publikum Rede und Antwort stehen und sein erworbenes Hintergrundwissen im Sinne eines Multiplikators auch anderen vermitteln.

Für die Umsetzung wie in Variante 1 vorgehen. Die Papiervorlage (A4) kann in einem Copyshop auf ein T-Shirt gedruckt werden. Wer digital arbeiten kann, kann das Motiv auch als Datei (jpg) an den Copyshop geben oder direkt im Internet bei einer Online T-Shirt Druckerei sein eigenes Shirt gestalten und bedrucken lassen.

Es gibt aber auch zahlreiche andere Möglichkeiten, die Monster mit ihren Sprüchen zu präsentieren. Jeder muss selbst entscheiden, was sich im jeweiligen Fall am besten eignet. Wir freuen uns über alle Zusendungen von Monsterfotos. Gemeinsam schaffen wir eine gewaltige Monsterarmee, die allen zeigt, was der Schrott so in sich hat. Als große Monstergesellschaft sollen sie protestieren, zu nachhaltigem Konsum motivieren und zu neuen Nutzungsstrategien inspirieren.